(Freie) Kameradschaften, Freies Netz Süd, Nationalsozialistischer Untergrund (NSU)

Bei Kameradschaften handelt es sich in der Regel um regionale Zusammenschlüsse von Neonazis, die sich als Reaktion auf das Verbot von neonazistischen Organisationen in der Vergangenheit gebildet haben. Überwiegend handelt es sich dabei um autonome bzw. informelle Gruppen oder so genannte "Freie Kameradschaften" mit bis zu 25 Mitgliedern. Sie versuchen organisationsähnliche Strukturen zu vermeiden, um keine Ansatzpunkte für ein Verbot, wie z. B. bei der NPD oder der FAF (Fränkische Aktionsfront), zu liefern. Zwischen diesen informellen Gruppen findet die Zusammenarbeit in überregional tätigen Netzwerken statt, wobei die Vernetzung in der Regel über das Internet erfolgt.

In Bayern ist hier insbesondere das Netzwerk Freies Netz Süd zu nennen, welches in erster Linie als Plattform zur Mobilisierung dient. Mittels Flugblatt- oder Klebeaktionen werden aktuelle sozial- und gesellschaftspolitische Fragen thematisiert und ein "Nationaler Sozialismus" propagiert. Führende Aktivisten des Freien Netzes Süd waren bis Ende 2008 in der NPD bzw. deren Jugendorganisation JN engagiert. Nach einem Führungsstreit und Unzufriedenheit über zu wenig Aktionismus seitens der NPD steht man dieser mittlerweile eher kritisch gegenüber. 

Für junge Menschen besteht die Gefahr darin, dass Bereiche unterwandert werden, die beim ersten Hinsehen mit dem Nationalsozialismus nichts zu tun haben. Die Unterwanderung erfolgt vermehrt über unpolitische Plattformen wie Facebook oder YouTube bzw.über Chat-Rooms oder Skype- Konferenzen.  

NSU (Nationalsozialistischer Untergrund)

Bei dem NSU handelt es sich um eine terroristische rechtsextreme Vereinigung, die Ende 2011 bekannt wurde. Sie wird auch als Zwickauer Zelle bezeichnet. Ihren Mitgliedern Beate Zschäpe, Uwe Mundlos († 4.11.2011) und Uwe Böhnhardt († 4.11.2011) werden unter anderem der Mord an acht türkischstämmigen Kleinunternehmern, einem Griechen und einer Polizeibeamtin sowie mehrere Banküberfälle und ein Nagelbomben-Attentat in Köln zur Last gelegt. Drei der Morde sind in Nürnberg begangen worden. Die Tatwaffe der Mordserie an den Kleinunternehmern sowie die Waffe der ermordeten Polizistin sind bei dem Trio gefunden worden.

Die politische Einstellung von Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt hatte sich bereits 1993 durch Verbindungen in die rechte Szene in Thüringen radikalisiert. Die drei waren damals 16, 18 und 20 Jahre alt. 1996 schlossen sie sich der Kameradschaft Jena des Thüringer Heimatschutzes an. Im Jahr 2000 begann die Mordserie.

Erst im November 2011 endete die Serie an Morden und Banküberfällen, als ein weiterer Banküberfall in Eisenach fehlschlug. Mundlos und Böhnhardt wurden in dem Wohnmobil, in dem sie sich versteckt hatten, tot aufgefunden. Nach der Festnahme von Zschäpe tauchten mehrere DVDs mit einem Video zu den Mordfällen bei mehreren Zeitungen, islamischen Einrichtungen und Polizeidienststellen auf. Im Video wurden die Opfer verhöhnt und es wurde sich über die Opfer lustig gemacht.

Nach dem Bekanntwerden der Zelle wurde immer offensichtlicher, dass der NSU nicht nur aus den drei Personen bestanden hat, sondern dass es mehrere Unterstützer in der rechten Szene gab.