Zeugenschutz

Was kannst Du also tun, wenn Du Dich durch eine Zeugenaussage auf keinen Fall selbst gefährden willst?

In den Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft stehen die Adressen der Zeugen. Der Anwalt des Angeklagten kann sich diese Akten kopieren. Bei der Vernehmung durch Staatsanwaltschaft und/oder Gericht musst Du als Zeuge Deine Personalien angeben und das wird protokolliert.
 
Willst Du das verhindern, kannst Du mit der Staatsanwaltschaft eine Lösung vereinbaren. Es gibt die Möglichkeit, dass die eigene Adresse in den Akten nicht auftaucht. Du musst dann aber erklären, warum Dir das so wichtig ist – rechtzeitig, bevor der Staatsanwalt Akteneinsicht gewährt.
Beispielsweise kannst Du mit dem Staatsanwalt ausmachen, dass man einen Rechtsanwalt als Zeugenbeistand beauftragt und so nur die Anschrift des Anwalts in der Akte auftaucht. Wer also Bedenken hat, sollte sich mit dem Staatsanwalt und gegebenenfalls einem Rechtsanwalt beraten.
 
Ist der Staatsanwalt überzeugt, dass ein Zeuge gefährdet ist, ist er sogar angewiesen, die Identität des Zeugen geheim zu halten. Die Staatsanwaltschaften und Gerichte haben kein Interesse, Zeugen in die Pfanne zu hauen. Weil sie nur mit Beobachtern Tätern deren Taten nachweisen können, haben sie auch Verständnis für Ängste und Sorgen der Zeugen.

Mittlerweile gibt es an den meisten Gerichten sogenannte "Zeugenberatungsstellen". Dort sitzen Mitarbeiter der Justiz und beraten – kostenlos. Sie betreuen Zeugen auf Wunsch, begleiten sie zum Gerichtssaal und stellen ihnen einen eigenen Raum zum Warten zur Verfügung, um dem Täter nicht auf dem Gerichtsflur begegnen zu müssen.

Sollst Du vor Gericht aussagen, bekommst Du eine schriftliche Ladung. Dann musst Du auch hingehen. Wer unentschuldigt nicht kommt, muss ein Ordnungsgeld zahlen.
 
Die Zeugen werden in der Verhandlung vom Richter befragt. Der Angeklagte hat das Recht, dabei anwesend zu sein, sonst kann er sich nicht effektiv verteidigen. Ausnahmsweise kann das Gericht den Angeklagten aber während einer Zeugenvernehmung aus dem Saal weisen und ihm anschließend über den Inhalt der Aussagen berichten. Das passiert aber nur, wenn es gute Gründe dafür gibt, dass es dem Zeugen nicht zuzumuten ist, vor dem Angeklagten zu sprechen. Wer das als Zeuge erreichen will, muss also möglichst rechtzeitig mit dem Richter sprechen.
 
Während der Vernehmung der Zeugen haben auch der Angeklagte und sein Verteidiger das Recht, Fragen zu stellen. Dieses Recht kann der Richter nur entziehen, wenn der Anwalt oder der Angeklagte die Zeugen angreifen. Zeugen unter 16 Jahren befragt nur der Richter. Ihnen dürfen die anderen Prozessbeteiligten normalerweise auch keine direkten Fragen stellen.